Analyse der Nationalratswahl 2017

15.10.2017 20:00

Es bestätigte sich auch diesmal wieder wie schon immer bei Wahlen, dass zwar die Abgeordneten für den Nationalrat gewählt werden, tatsächlich die Wähler dabei an die Spitzenkandidaten denken und eigentlich diese wählen.

Die Umfragen zuvor ließen einen Umbruch vermuten und das vorliegende provisorische  Ergebnis  weicht nicht allzu stark von diesen Prognosen ab:

 

Das Polittalent Sebastian Kurz hat es geschafft, alle zu überflügeln, wenngleich das vorläufige Ergebnis von 31,7 Prozent ein wenig hinter den Prognosen von +/-33 Prozent liegt. Die ÖVP ist nun aber unbestritten die Nr. 1 in Österreich und der „Super-Basti“ wird unser jüngster Bundeskanzler, den wir je hatten. Vielleicht der Beginn einer Ära vergleichbar jener unter Bruno Kreisky.

 

Für mich überraschend gut hat sich die SPÖ unter Christian Kern gehalten. Angesichts der Pannen und Pleiten im Wahlkampf und des medialen „Super-Gaus“ mit gefakten Facebook-Seiten musste Schlimmes befürchtet werden. Es ist sicher der Person des Noch-Bundeskanzlers zu verdanken, dass die SPÖ sogar ein winziges Plus (26,9% gegenüber 26,8% im Jahr 2013) schaffte. Ein Achtungserfolg.

 

Sieger aber gleichzeitig auch Verlierer ist HC Strache mit seiner FPÖ. Sie konnte ordentlich zulegen, ist aber weit entfernt von einstigen Höhenflügen mit 33 Prozent in den Umfragen, bei denen sie immer klar die Nr. 1 war. Ja „war, denn dann kam der „Super-Basti“ und alles wurde plötzlich anders. Ein wenig bitter ist zudem, dass es auch der SPÖ geglückt sein dürfte, doch ganz knapp die Nase wieder vorne zu haben. Also wieder Platz 3.

 

Die Grünen sind das Paradebeispiel, wie man sich selbst demontieren kann. Zuerst warf Eva Glawischnig entnervt das Handtuch, nachdem es mit den Jungen Grünen ordentlichen Zoff gegeben hatte. Dann wurden verdiente und langdienende Parlamentarier wie Peter Pilz, offenbar nicht mehr ganz am Puls der grünen Ideen, am Parteitag kalt abserviert. Und Pilz rächte sich. Er machte seine eigene Liste und heimste sogar mehr Stimmen ein als seine grüne Ursprungspartei. Und noch schlimmer: Grün dürfte aus dem Parlament rausfliegen. Ein bisserl Schadenfreude kann selbst ich mir angesichts von so viel strategischer Dummheit nicht verkneifen.

 

Die NEOS bleiben was sie waren: Eine kleine liberale Bewegung, die es diesmal wieder geschafft hat, aber die auch künftig wird zittern müssen, ob sie das Schicksal des Liberalen Forums einmal teilen wird müssen oder nicht.

 

Nun noch zu den Listen, die neu antraten oder zuvor nicht im Parlament vertreten waren:

 

Die FLÖ, eine Abspaltung von der FPÖ mit den handelnden Personen Karl Schnell und Barbara Rosenkranz, die sich noch ein bisserl mehr rechts von der FPÖ und damit dunkelblau profilieren wollte, machte einen Bauchfleck und ist keiner weiteren Betrachtung mehr wert.

 

G!LT initiert von Roland Düringer hatte interessante Ideen, stieß jedoch auf wenig Echo seitens der Wähler, die lieber „die da oben“ arbeiten lassen wollen und zufrieden sind, wenn das Schnitzerl am Teller groß genug und das Bier im Kühlschrank eingekühlt ist. 1 Prozent ist unter diesen Umständen fast ein Achtungserfolg und ausschließlich der Bekanntheit Düringers zu verdanken.

 

Die Weißen wollten ebenfalls direkte Demokratie implementieren, etwas anders als G!LT und dem Schweizer Modell angelehnt, wurden aber genauso Opfer der „Fallbeilmentalität“ der Bürger und erreichten mit gerade mal 0,2 Prozent ein Ergebnis, womit auch sie in der Versenkung verschwinden werden.

 

Und da gibt es noch die KPÖ, die sich mit abtrünnigen jungen Grünen als Plus verstärken wollte. Aber es half auch diesmal nix und so bleiben sie wo sie sind.

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