Bruck-Kapfenberg – zweitgrößte Stadt der Steiermark und zehntgrößte Stadt Österreichs?

20.02.2016 00:00

Es war im Jahr 2012, als die Diskussionen um Gemeindezusammenlegungen starteten. Alle möglichen Vorschläge wurden geäußert bis hin zu einer obersteirischen Großstadt Leoben-Bruck-Kapfenberg samt angrenzenden kleineren Gemeinden, die über 100.000 Einwohner hätte haben sollen. Das Argument dafür war, einen Gegenpol zur Landeshauptstadt Graz zu bilden und damit besser der besorgniserregenden Abwanderung der Jungen entgegen wirken zu können. Nun ja, statt eines Hauptplatzes im Zentrum dieser imaginär gebliebenen Stadt würden halt Maisfelder und Kuhweiden die Attraktion gewesen sein.

Naheliegender war, was der Blick auf die Landkarte ohnehin klar machte: Eine Zusammenlegung der beiden schon längst zusammen gewachsenen Kleinstädte Bruck und Kapfenberg. Und tatsächlich: Teams unter der Leitung der jeweiligen Bürgermeister(in) nahmen Verhandlungen auf. Kapfenbergs Brigitte Schwarz (SPÖ) setzte sich mit dem Brucker Bernd Rosenberger (SPÖ) an einen Tisch. Und dann passierte es: Die Kapfenberger Roten putschten gegen ihre Bürgermeisterin und drängten den Ex-Bürgermeister Manfred Wegscheider – inzwischen Präsident des Steirischen Landtages – zurück zu kehren.

Der tat es. Wahrscheinlich gar nicht ungern. Brigitte Schwarz wurde aus ihrem Bürgermeistersessel komplimentiert und zog sich verbittert aus der Politik zurück und Manfred Wegscheiders erste Amtshandlung war der Abbruch der Fusionsgespräche mit den Bruckern. Es hieß, dass der machtbewusste Bernd Rosenberger die Brigitte Schwarz über den Tisch habe ziehen wollen zum Schaden der Stadt Kapfenberg. Also es wurde nichts mit einer großen Fusion. Als Trostpflaster holte sich Bruck die Gemeinde Oberaich, eine Gemeinde, die ohnehin kein Zentrum hatte, und Kapfenberg schluckte Parschlug, eine Gemeinde, die auch kaum eigene Infrastruktur hatte und eigentlich nur eine Stadtrandsiedlung war. Somit hat Kapfenberg aktuell 23.029 Einwohner und Bruck an der Mur kommt auf 15.892 Bürger.

Vielfach herrscht die Meinung, dass es keine Fusion geben wird, solange Manfred Wegscheider Bürgermeister ist. Persönliche Machterhaltung soll das Motiv sein. Aber da gibt es in Kapfenberg den Heribert Krammer, seines Zeichen Boss des ECE, des großen Geschäftszentrums im Zentrum der Stadt am Europaplatz. Ein Mann, der in der Stadt Gewicht hat und der schon zuvor Initiativen startete, um Kapfenberg attraktiver und ein bisserl schöner zu machen.

Heribert Krammer und sein Sohn Christoph luden zum Pressegespräch: „Die Zeit rinnt uns davon! Es wäre fahrlässig, noch länger zuzuwarten. Die politischen Verantwortungsträger sind nicht gewillt ob persönlicher Eitelkeiten über ihren Schatten zu springen und nun gibt es Stillstand“. Sie wollen nun über eine Bürgerinitiative Druck auf die Politik ausüben. Wenn die Bürger in großer Zahl das vehement fordern, wird den Lokalpolitikern keine andere Wahl bleiben, als dem Bürgerwillen nachzukommen. Das Ziel ist eine Mittelstadt mit über 50.000 Einwohnern unter Einbeziehung der östlichen Nachbargemeinden St. Lorenzen und St. Marein, die ihrerseits auch schon zusammen gewachsen sind.

 

Krammer argumentiert, dass eine Stadt dieser Größe nicht nur mehr Geld aus dem Finanzausgleichstopf bekäme sondern dass auch Big Player des Handels wie Zara, Thalia oder Peek & Cloppenburg diese größere Stadt wahrnehmen würden. Was für sein Geschäftszentrum natürlich neue Chancen bieten würden. Und er wünscht sich einen visionär denkenden Bürgermeister an der Spitze. Nun ja, diese dürften eher Mangelware sein.

 

Ich wünsche Heribert und Christoph Krammer viel Erfolg. Auch für mich ist eine Stadt Bruck-Kapfenberg logisch. Weniger begeistert mich die Idee, auch St. Lorenzen und St. Marein schlucken zu wollen, einfach aus dem Grund, dass die Gemeindeverwaltung einer kleineren Gemeinde ihr Service viel persönlicher anbieten kann und ich dort Gesprächspartner finde, die auch mich kennen. So bin ich sehr für die Fusion von St. Marein mit St. Lorenzen, beide ebenfalls zusammengewachsen mit 6201 Einwohner, aber nicht unbedingt für Eingliederung meiner Gemeinde in eine Mittelstadt, wo man mit Anliegen bei der Stadtverwaltung nur eine Nummer wäre.

 

Potest succedere!

Bildquellen: www. kleinezeitung.at/fotofrosch, imbild.tv

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