Sinnbefreit

05.03.2017 00:00

In der letzten Bezirks-Gratiszeitung "Meine Woche" (Ausgabe Nr. 9, 1./2. März 2017) schreibt der für den Bezirk Bruck an der Mur zuständige Redakteur Markus Hackl über seinen Grundwehrdienst: "8 Monate, Kaserne Güssing, Systemerhalter, vergeudete Zeit....".

Auch für mich galt 8 Monate, Kaserne Linz-Ebelsberg, Systemerhalter.... Vergeudet war sie deshalb nicht für mich, da ich zeitgleich mit dem Einrücken auch mit der "Arbeitermittelschule" (Bundesgymnasium für Berufstätige) - eine Abendschule - begann. Die ersten Monate mit der Grundausbildung und dann am Abend der Unterricht waren etwas hart, öfter spießte es sich. Aber meine Motivation für die Schule war enorm, für mich meine zweite Chance. Dem Zugsführer, einem OStv, passte das gar nicht und wenn er nach dem Gewehrputzen die Sturmgewehre kontrollierte, durfte ich sicher sein, dass ich nachputzen musste und nicht wegkam.

Aber das ging vorbei. Ich meldete mich für einen Bürojob, wollte es zumindest warm haben, bekam den auch und war eben tagsüber Systemerhalter und abends wissbegieriger Schüler. Spaß bekam ich damals auch mit dem Laufen. Im Wald gegenüber gab es eine vier Kilometer lange Rundstrecke, die wir jeden Morgen rannten. Ehrgeiz, schneller als andere zu sein, kam dazu.

Stolz zu sein auf das Bundesheer kam mir nicht in den Sinn. Beim Einrücken fassten wir alle halb zerschlissene graue Uniformen aus (die später gegen die heute noch gebräuchlichen braunen getauscht wurden), der Fuhrpark, die Panzer, alles war alt, die Kasernenhäuser auch, schäbig, heruntergekommen. Das Heer wurde schon damals finanziell ausgehungert, hatte schon unter Kreisky einen untergeordneten Stellenwert. International wurde unsere Armee belächelt.

Wir zählten die Tage bis zum Abrüsten. Damit es sich mit dem Schuljahr besser ausgeht, habe ich dennoch noch drei Monate freiwillig drangehängt, wurde fvGWD und Gefreiter. Während der Sommerferien einen Job suchen war einfacher.

Der Spruch war omnipräsent: „Ja, in Zivil, da war er net viel, aber beim Militär, da is' er wer ...". Er brachte unsere und meine insgeheime Verachtung für die Berufssoldaten zum Ausdruck. Nicht ganz unberechtigt: Nicht wenige hatten ein Alkoholproblem, "Intelligenzbolzen" gab es sowieso wenige.

Heute sehe ich unser Bundesheer positiver. Auch in der Bevölkerung wurde das Image des Bundesheeres deutlich besser. Bei Katastrophen bewähren sich die Soldaten immer wieder, das Heer hat dabei einen fixen Platz und wir sind froh darüber. Dass es auch unter UNO-Mandat internationale Einsätze macht, ist den Österreichern eher egal. Noch unter Darabos und Klug musste das Bundesheer finanziell bluten.

Dann kamen die Migranten zuhauf und als Minister Doskozil, vormals hoher Polizeioffizier und Polizeikommandant im Burgenland. Doskozil hatte gesehen, was sich in Nickelsdorf abspielte. Er richtete die Truppe moralisch wieder auf, lukrierte Geld für Anschaffungen und neues Personal. Es macht jetzt wieder stolz, auch beim Bundesheer für unser Land und für die Leute da zu sein.

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