Wie Hass im Netz eindämmen?

17.09.2016 00:00

Auf ORF.at gibt es auch ein Diskussionsforum, auf dem zu aktuellen Themen gepostet werden kann. Meist sind die Kommentare auf niedrigem Niveau, völlig unsachlich und oft persönlich diffamierend. Aber es gibt Ausnahmen.

Aktuelles Thema sind derzeit die sogenannten "Hasspostings". Dazu ein bemerkenswerter und sehr sachlicher Beitrag von mirabeau auf ORF.at, der mir gefallen und auch aus dem Herzen gesprochen hat:

 

ORF.at: Seit Jahren flammt immer wieder die Debatte über Verhaltensregeln für die Kommunikation in Internetforen und vor allem in Sozialen Netzwerken auf. Ist das Problem "im Netz" größer als abseits davon? Wie nötig sind eigene Regeln für digitale Plattformen? Wie lässt sich Hass im Netz eindämmen?

  Beispiele:

   

„IN OUR COUNTRY THERE IS A VERY STRONG RADICAL LEFT SZENE WHO IS CALLED THE ANTIFA“

Nicht nur das muss der Möchtegern-Führer der neofaschistischen „Identitären“ - Martin Sellner - in einem kürzlich erschienenen Video-Interview feststellen. Auch das Auto seiner Eso-Nazi-Eltern aus Baden wurde wenige Tage vor dem Aufmarsch der „Identitären“ im Juni abgefackelt. Tja, Nazi sein heißt wohl immer noch Probleme kriegen... :)

Bild zeigt 1 Person , Feuer und im Freien

 

Bildquellen: facebook - Michaela Jaskova / autonome antifa w

 

Was macht den "Hass" im Netz so besonders?

mirabeau,schrieb am 16.09. 21:47

Schon seit der Erklärung der Menschenrechte von 1789 ist das Recht auf Meinungsäußerung eingeschränkt, durch die im Gesetz festgelegten Einschränkungen: Ehrenrühriges wird ebenso geahndet, wie Beleidigung oder Verhetzung.

Warum also brauchen wir dann diese Debatte?

Warum "muss" der "Hass" im Netz eingedämmt werden?
Was macht den "Hass" im Netz so besonders?
Was ist mit dem "Hass" der schon lange existierte, bevor Facebook und Co erfunden wurden?

Ich setze "Hass" deshalb unter Anführungszeichen, weil "Hass" ein zutiefst politischer und vor allem ambivalenter Begriff ist, der nur allzu gerne als rhetorisches Totschlagargument missbraucht wird.

Der Vorwurf ,"Hass" zu verbreiten ist ein beliebtes Mittel der Rabulistik. "Hass" ist ambivalent, weil er gesellschaftlich akzeptiert wird, wenn er sich nur gegen die "Richtigen" richtet, und wer die "Richtigen" sind, ist nicht das Ergebnis eines demokratischen Diskurses, sondern wird von einer Meinungselite diktiert.

Die "Hass"-Debatte dient, wie schon die "politische Korrektheit", dazu, Diskurshoheit zu erlangen, aIso die Ideen der Herrschenden in die herrschende Ideen zu verwandeln. Wer die herrschende Idee nicht teilt, soll vom Diskurs ausgeschlossen werden, daher sprießt überall die Zensur wie Unkraut aus dem Boden, darum starten Medien Hass- und Korrektheitsdebatten.

"Hass" zu verbreiten ist ein Etikett, das man jemandem umgehängt, so wie man früher Etiketten wie "Kommunist", "vaterlandsloser Geselle", "Klassenfeind" oder "Ketzer" verteilt hat, um Nonkonformität zu brandmarken, und um Hegemonie über das Denken und Fühlen der Gesellschaft zu erlangen und sie in herrschaftskonforme Bahnen zu lenken.

Ich halte daher nichts von solchen stigmatisierenden Etiketten.
Strafrecht und ABGB sind demokratisch legitimierte Mittel, die völlig ausreichen, um mit Überschreitungen der Meinungsfreiheit umzugehen. Darüber hinausgehende Maßnahmen sind nicht notwendig.

Zu guter Letzt muss uns bewusst werden, dass "Hass" ein Gefühl ist, so wie "Liebe". Gefühle lassen sich aber auf Dauer nicht unterdrücken. Seien wir lieber froh, wenn die Menschen sich ihre Gefühle nur im Netz von der Seele schreiben, und nicht durch Gewalt loswerden.

Wer also etwas gegen den "Hass" tun will, muss schon tiefer graben und sich mit den Lebensrealitäten derer auseinandersetzen, die ihn äußern. Mit dem Finger moralisierend rumzuwacheln, wird nicht reichen.